Keimform - Archiv 1
Keimform bezeichnet in dem Versuch, die Entwicklung von Formen wahrzunehmen und zu beschreiben, eine Form, die in einer Alten bereits wahrgenommenen und angelegt ist, aber noch nicht erkennbar ist.
Sollte ein Begriff wie Keimform sinnvoll sein, dann wird er je nach untersuchtem Gegenstand, etwas anderes bezeichnen.
Keimform ist ein schwieriger Begriff aus dem Oekonux-Kontext. Schwierig deshalbt, weil er zu sehr divergent interpretierbar ist, was eine Verständigung nicht fördert. Zum einen rekuriert Keim-Form auf den philosophischen Begriff der "Form". Ich habe zwar bisher nicht verstanden, was darunter zu fassen ist, aber es scheint um die Dynamik / Struktur von etwas sich Entwickelndem zu gehen. Insofern bezeichnet Form eine Meta-Beschreibung von Etwas.
Der andere Begriffsbestandteil "Keim" ist wohl in Anlehnung an Klaus Holzkamp entstanden. Seine Fünfschritt-Theorie geht davon aus, das allgemein Neues, bevor es erkannt und eventuell dominant werden konnte, im Alten bereits entstanden ist.
Die "Keimform-Debatte" in Oekonux ist also motiviert aus der Suche nach etwas Neuem, das aus dem ungenügendem Altem (dem Jetzt-Zustand) hinausführt. Um sich in Richtung des Neuen zu begeben und dies zu unterstützen, scheint es hilfreich, dieses zu erkennen. Dabei wird jedoch (in meiner Wahrnehmung) nicht sehr unterschieden zwischen "Keimen", d.h. Strukturen, die in ihrer Strukturhaftigkeit Züge (Formen) des neuen enthalten können und den Paradigmen / Formen / Zügen des Neuen, wie früher hier auf der Seite formulierte "Keimformthese von Oekonux" :
Freie Software sei eine Keimform einer neuen zukünftigen Gesellschaft innerhalb des Kapitalismus, die auf Selbstentfaltung basieren wird.
Die These ist nicht hilfreich, da sie "Keim" und "Form" vermischt.
Meiner Meinung ist auch mangelhaft untersucht, was denn "das Alte" (oben identifiziert mit Kapitalismus) ist, was zu überwinden wäre.
Ich bin der Ansicht, dass Zukunft offen ist und gesetzt werden kann (wie wirksam das ist, hängt von kritischen Massen ab), allerdings nur in den Grenzen, der Entwicklungsströmungen von Kulturen. Das Mögliche ist im Unbewussten angelegt und vielleicht effektiver über Bewusstsein zu entwickeln. Allerdings sehe ich den zu überschauenden Zeitrahmen der Entwicklung wesentlich länger – einige tausend Jahre müssen wir schon gucken.
Fragen, die ich habe:
So weit Diskussionen in anderen Bereiche verstreut gediehen sind, teilweise durch Interessenten, teilweise durch authentische Interpreten, ist diese Seite, so wie sie ist, völlig unbrauchbar, weil technisch falsch.
Es scheint so zu sein, dass der Begriff Keimform auf keinem Fall mit dem alltäglichen Form-Begriff oder mit einem der vielen philosophischen Form-Begriffe in Verbindung gebracht werden soll. Sondern es handelt sich scheinbar um eine abstrakte marxistische Kategorie, die außerhalb des Fünfschritts und der Vorstellung gesellschaftlicher Erneuerung keine Bedeutung haben soll. Also auch nicht konkret diskutierbar (indem man etwa andere akzeptable Exemplare von Keimformen beibringt) oder in ihren Eigenschaften feststellbar sein kann und soll.
Nachdem aber all dies abstrakt und quasi nur hypothetisch, bzw. im nachhinein diagnostisch - nach einer erfolgten Gesellschaftsveränderung - feststellbar sein soll, ist der Begriff imho jeder praktischen Funktionsmöglichkeit entkleidet. Eine Abstraktion von einem singulären Exemplar, das nicht mal existiert, ist technisch unmöglich. Der Begriff Keimform eignet sich mithin - wenn man den Willen der Hauptinterpreten folgt - nur als Mittel religiöser Scholastik bzw. ritueller Denkhandlungen im Umfeld marxistischer Kapitalismus-Endzeit-Vorstellungen.
Schon wieder dieser Vorwurf - und meiner Meinung nach nicht stichhaltig:
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Natürlich kann es Keimformen geben - womit nicht ausgemacht ist, dass diese sich wirklich in der Zukunft durchsetzten werden.
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Entweder wir diskutieren "Keimform" im "marxistischen" Zusammenhang - oder nicht. Wir müssen es nur kennzeichnen, damit nichts durcheinanderläuft, wie es bisher der Fall ist. Damit ist Kritik am marxistischen Verständnis doch nicht ausgeschlossen!
Und dann steht hier:
Es scheint so zu sein, dass der Begriff Keimform auf keinem Fall mit dem alltäglichen Form-Begriff oder mit einem der vielen philosophischen Form- Begriffe in Verbindung gebracht werden soll.
Warum schreibst Du "werden soll"? Was haben Demokrit und Platon, die in dem Zitat von Annette behandelt werden, mit unserer Debatte zu tun? Mir erscheinen diese Passagen aus dem Zusammenhang gerissen - damit ist doch nicht gesagt, dass ich hier Deutungshoheit über den Begriff beanspruche.
Mein Vorschlag: Wir sollten uns vorher auf einen roten Faden einigen!
Christian, wenn Vorwurf, nach nicht böse gemeint und jedenfalls nicht auf dich oder uns hier bezogen. Ich hatte Zugang zu tiefschürfenden Diskussionsbeiträgen von Stefan Meretz anderswo. Zu deinen Fragen: der begriff "Keimform" hat scheinbar keine andere als marxistische Tradition. Man könnte biologisch-evolutionäre oder systemtheoretische Parallelen bauen, aber diese werden eben aus verschiedenen Gründen, z. B. mit Hinweis auf den rein gesellschaftlichen Bezug, abgelehnt. Das ist eine Situation der Immunisierung gegen Kritik. Natürlich kann man immer eine Kritik versuchen und würde dir persönlich sicherlich nicht die Offenheit für eine solche Kritik absprechen. Aber es gibt keinen Sinn, einen traditionell gebundenen Begriff gegen den Willen der Traditonalisten neu schärfen zu wollen. Da ist es einfacher, den Begriff verloren zu geben und andere Begriffe zu verwenden, um etwa in den Bereich der Veränderungs-, Transformations- oder Bootstrapping-Theorie vorzustoßen. Für mich war nur wichtig, abzuklären, was hinter dem begriff Keimform steckt. Die Antwort "nichts wirkliches, praktisches oder brauchbares" ist für mich völlig ausreichend, akzeptabel und befriedigend.
Man könnte biologisch-evolutionäre oder systemtheoretische Parallelen bauen, aber diese werden eben aus verschiedenen Gründen, z. B. mit Hinweis auf den rein gesellschaftlichen Bezug, abgelehnt. Das ist eine Situation der Immunisierung gegen Kritik.
Vorab: Deine Kritik ist für mich völlig OK ;-) Aber ein Punkt ist mir sehr wichtig: Die Kritik an den biologischen Naturalisierungen oder der Systemtheorie finde ich sehr überzeugend - da geht es um die Probleme der Beschreibung und Erklärung menschlichen Handelns und den Begriff des Menschen. Diese Probleme artikulieren aber nicht nur "Marxisten", sondern auch "Wittgensteinianer" - und deren Einwände leuchten mir ein. D.h. hier liegt meine Meinung quer zu den Grabenkämpfen zwischen Marxisten und Nichtmarxisten.
Es scheint so zu sein, dass der Begriff Keimform auf keinem Fall mit dem alltäglichen Form-Begriff oder mit einem der vielen philosophischen Form-Begriffe in Verbindung gebracht werden soll. Sondern es handelt sich scheinbar um eine abstrakte marxistische Kategorie, die außerhalb des Fünfschritts und der Vorstellung gesellschaftlicher Erneuerung keine Bedeutung haben soll. Also auch nicht konkret diskutierbar (indem man etwa andere akzeptable Exemplare von Keimformen beibringt) oder in ihren Eigenschaften feststellbar sein kann und soll.
Das habe ich bisher nicht so verstanden. Mein Verständnis geht bisher so weit, dass es ein erkenntnistheoretischer Begriff ist, für den es im Zusammenhang mit Kultur- bzw. Gesellschaftsveränderung wohl schon historische Beispiele gibt. Das würde ich gerne weiter klären.
Ich hoffe, dass ich jetzt nicht totale Verwirrung bringe, wenn ich versuche, einige Hinweise zum Thema "Keimform" zu geben.
Zunächst mal: Es gibt nicht die "Keimform-Definition", die es zu verstehen gelte, um sie dann zu akzeptieren oder zu verwerfen. Sondern "Keimform" ist ein Arbeitsbegriff aus einem lebendigen Diskussionszusammenhang, der bislang dabei geholfen hat, reale Prozesse zu begreifen. Derzeit hat eine Diskussion eingesetzt, die die diversen Schwächen des Begriffs aufzeigen will, um ihn ggf. zu ersetzen oder zu schärfen. Eine Schwäche ist, dass "Keimform" eher alltagssprachlich gebraucht wird, im Sinne von: "Da ist was Neues, das wächst und breitet sich aus." Etwa in Analogie zum Pflanzenkeim, der wächst. Das ist auch nicht total falsch, aber auch nicht wirklich richtig.
Was ich wirklich nicht für richtig halte (da ist der Alltagsgebrauch von "Keimform" schon näher dran), ist die inhaltliche Beschriebung dieser Coforums-Seite:
Keimform bezeichnet in dem Versuch, die Entwicklung von Formen wahrzunehmen und zu beschreiben, eine Form, die in einer Alten bereits wahrgenommenen und angelegt ist, aber noch nicht erkennbar ist.
Das überzeichnet die Bedeutung von "Form" in "Keimform" so weit, dass dahinter das IMHO Wesentliche verschwindet. Wenn ich es jetzt genauso kurz versuche, dann weiss ich nicht, ob es besser wird: "Keimform ist ein analytischer Begriff, der helfen soll, den Beginn qualitativer Entwicklungsprozesse aus ihrer inneren Widersprüchlichkeit heraus zu erkennen."
Darin stecken diese Aspekte, die jeweils einzeln geklärt werden müssten (das versuche ich jetzt hier nicht, deute es nur an):
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analytischer Begriff (auch "Kategorie" genannt)
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Beginn (es geht um den Anfang eines Zyklus)
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qualitativ (es geht um die Herausbildung von etwas Neuem, nicht die Modifikation von Altem)
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Entwicklungsprozess (es geht um die logische Rekonstruktion oder Prospektion des Übergangs vom Alten zu Neuen)
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innere Widersprüchlichkeit (es geht um die Erklärung der Entwicklung als Selbstbewegung, erklärt aus ihren eigenen, sich verändernden Widersprüchen - wobei der von Inhalt und Form einer ist)
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erkennen (es geht um die Wahrnehmung von realen Prozessen, die ohne den Begriff so nicht möglich wäre)
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ganzer Satz und Sinn: Es geht darum, handlungsfähiger zu werden
ganzer satz und sinn: es geht darum, handlungsfähiger zu werden
gefällt mir . ich glaube, das ist auch das anliegen von christian, was er uns hier in verschiedenen formulierungen deutlich machen will . wir haben hier übrigens schon angefangen, die keimform-theorie für uns nutzbar zu machen, indem wir uns selber als keim für eine neue gesellschaft sehen . ich denke, damit vermeiden wir diesen tödlichen sachfetischismus, der andere menschen zum diener von sachen machen will (um wenigstenz selber zu einer ersatzbefriedigung zu kommen) und machen stattdessen die sachen zu unseren dienern (im moment haben wir gerade eine ganz gute lösung für die form(atierung) unserer verschiedenen beiträge gefunden) .
@ Stefan:
Beginn (es geht um den Anfang eines Zyklus)
Ist mit "Zyklus" die Fünfschritt-Theorie angesprochen?
qualitativ (es geht um die Herausbildung von etwas Neuem, nicht die Modifikation von Altem)
Hier müssen Kriterien entwickelt werden, die das qualitativ Neue, sei es auch nur in einer Keimform angelegt, anzeigen. Für mich kommt da die Gretchenfrage, ob es um Antikapitalismus geht oder nicht, fast zwangsläufig zur Sprache, z.B. dort, wo Selbstentfaltung in künstlicher Knappheit verunmöglicht wird.
innere Widersprüchlichkeit (es geht um die Erklärung der Entwicklung als Selbstbewegung, erklärt aus ihren eigenen, sich verändernden Widersprüchen - wobei der von Inhalt und Form einer ist)
Gehört zu diesen Widersprüchen, dass Keimformen "scheitern" können? Mir geht es darum, dass es zur Zeit viele alternative Projekte gibt, die aber durch interessiertes Handeln schnell wieder zurückgestutzt werden können. Daher die "innere Widersprüchlichkeit"?
An alle: Habe gerade einen Vortrag von Stefan gefunden, der mir viele Fragen beantworten konnte, und zwar als Audiodokument unter dem Titel »Der Kapitalismus am Ende!? - Und nun?«
Zu deinen Fragen, Christian:
Ist mit "Zyklus" die Fünfschritt-Theorie angesprochen?
Ja.
...Gretchenfrage, ob es um Antikapitalismus geht oder nicht...
Das klingt sehr nach "Haltungsfrage", und darum geht es IMHO nicht. Es generell eigentlich nicht um "Anti", sondern um die Begründung von Neuem, um das Denken von Neuem. "Anti" ist easy, insbesondere, wenn man es als Haltung versteht. Das Denken von "Neuem" ist extrem schwer. Das hört sich an wie "An den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen". Ist es aber nicht. Der Begriff "Keimform" hilft dabei, ein mögliches Neues denkbar zu machen. Es ist jedoch so - und vielleicht meintest du das - dass das Denken von Neuem zunächst das Verstehen des Alten und warum es in die Krise gerät voraussetzt. Erst in Abhebung von genau verstandenem Alten, ist das Neue ein Neues. Dabei besteht immer die Gefahr, dass wir uns irren, dass also das vermeintlich Neue sich doch nur als modifiziertes Altes herausstellt. Aber wie dem im Ergebnis auch sei: Entscheidend ist die erkennende Denkbewegung - auch der Irrtum macht uns klüger. Allerdings müssen wir fähig sein, das zu erkennen und "zuzugeben".
Und es geht schließlich auch darum - da stimme ich Sigi voll zu - dass wir uns selbst als handelnde Menschen begreifen, die die Emanzipation wollen, die sich also selbst als Quellen der Veränderung sehen und dafür die "Keimform-Denke" nutzen.
Gehört zu diesen Widersprüchen, dass Keimformen "scheitern" können?
Ja und Nein. Nein: Keimformen können nicht scheitern - scheitern sie, sind es keine gewesen. Aber vom Erkenntnisprozess her gedacht: Ja, unsere Hypothese über die "Keimform" war falsch. Genau das ist Sinn und Aufgabe des "Keimform"-Begriffs.
Daher die "innere Widersprüchlichkeit"?
Da geht es vor allem um den Widerspruch zwischen "Nützlichkeit im Alten" und "Antagonismus zum Alten". Das wird in Schritt 3 vom Fünfschritt so beschrieben:
Die Keimform "wird zu einer wichtigen Entwicklungsdimension innerhalb der noch dominanten alten Form. Diese Etablierung der Keimform kann zwei Richtungen einschlagen: Sie führt zur Integration in das Alte und zur Übernahme der alten Prinzipien, oder die Keimform behauptet sich auf Grund der neuen Prinzipien immer besser im und neben dem Alten. Im ersten Fall geht der Keimform-Charakter verloren, im zweiten Fall wird das Neue gestärkt. Das Alte kann in beiden Fällen von einer integrierten oder gestärkten Keimform profitieren und Krisenerscheinungen abmildern." (aus Der Begriff der "Arbeit" bei Holzkamp)
Die allermeisten alternativen Projekte, die du ansprichst, scheitern aus meiner Sicht deswegen, weil sie keinen "Keimform-Charakter" haben (was nicht bedeutet, dass sie nicht trotzdem wünschenswert sind).
So, und was ist nun die "Gretchenfrage"? Das kann ich im Moment auch nur allgemein beantworten. Aus meiner Sicht ist die Gretchenfrage die nach der anderen Form der Vergesellschaftung jenseits der Wertform. Oder anders formuliert: Es geht um die Begründung einer neuen Art und Weise der Re-/Produktion des gesellschaftlichen Lebens, deren gesellschaftliche Vermittlung nicht mehr "dritter Person" (entfremdet über den Wert und Verwertung), sondern "erster Person" (nicht entfremdet über Selbstentfaltung) läuft.
Hallo Stefan, grüß Dich! Ja, als Gretchenfrage scheint es eine Frage der Haltung zu sein, mich stört die Frage "Wie hälts Du's mit dem Marxismus" mittlerweile so sehr, weil sie ständig die Argumentation behindert. Argumente müssen geprüft werden, unabhängig davon, aus welchem Lager sie kommen. Für mich kann Emanzipation unabhängig von einem marxistischen Paradigma gedacht werden, aber ich finde marxistisches Denken in gesellschaftlichen Fragestellungen und Analysen oft besonders gründlich → radikal eben ;-)
Es ist jedoch so - und vielleicht meintest du das - dass das Denken von Neuem zunächst das Verstehen des Alten und warum es in die Krise gerät voraussetzt. Erst in Abhebung von genau verstandenem Alten, ist das Neue ein Neues. Dabei besteht immer die Gefahr, dass wir uns irren, dass also das vermeintlich Neue sich doch nur als modifiziertes Altes herausstellt.
Ja, so war es gemeint. Aber der nächste Schritt in Deiner Argumentation ist mir unverständlich. Sicher können wir uns, was Prognosen über geschichtliche Prognosen angeht, irren, aber nun schreibst Du:
Keimformen können nicht scheitern - scheitern sie, sind es keine gewesen.
Folgende Formulierung finde ich völlig OK:
Aber vom Erkenntnisprozess her gedacht: Ja, unsere Hypothese über die "Keimform" war falsch. Genau das ist Sinn und Aufgabe des "Keimform"- Begriffs.
Ja, von einem späteren Zeitpunkt aus gesehen kann sich eine Hypothese über den geschichtlichen Prozess als falsch erweisen. Aber spricht das dagegen, z.B. Freie Software als Keimform zu bezeichnen? Hier wird der Begriff "Keimform" unter "pragmatische Erfolgskriterien" gestellt. Wenn Du in Deinen Vorträgen Freie Software als Keimform beschreibst, überzeugst Du mich, weil Du die damit verbundenen Kriterien erläuterst. Trotzdem können sich Hypothesen über den weiteren geschichtlichen Verlauf als falsch herausstellen, ohne dass der Begriff seinen Sinn verliert.
Nachtrag: Man könnte es so formulieren: Freie Software hat Keimform-Charakter. Diese Aussage hat ihre Geltung nach bestimmten Kriterien. Sie ist nicht widerlegt, wenn sich die damit verbundenen Hypothesen über den weiteren geschichtlichen Verlauf als falsch herausstellen.
Das scheint mir wieder die Frage zu berühren, was den "Form" bei Keimform meint. Wenn diese Struktur und Dynamik von Gesellschaft meint, dann kann freie Software keine Keimform sein, sondern der Prozess gesellschaftlichen Herstellung und Nutzung von Freier Software, kann Elemente beinhalten, die auf die Keimform hinweisen. Die neue Form, als die sich die Keimform später darstellt, muss ja den größten Teil menschlicher Reproduktionstätigkeiten beschreiben.
In diesem Zusammenhang aber wieder die Frage nach "Keimform" und "Keimformen". Ist denn unserer momentane Gesellschaft so strukturiert, dass sie nur durch eine Form beschrieben werden kann ? Neben den Wert-Aparat gibt es doch noch andere Zusammenhänge in der Gesellschaft (wie zum Beispiel Familien, Interessengemeinschaften, Parteistrukturen).